08.12.2023

Tracerversuch: Ergebnisse liegen vor

Beim so genannten „Tracer-Versuch“ wurde gesundheitlich unbedenkliche Lebensmittelfarbe an verschiedenen Stellen eingebracht.

Beim so genannten „Tracer-Versuch“ wurde gesundheitlich unbedenkliche Lebensmittelfarbe an verschiedenen Stellen eingebracht.

Im Januar 2020 wurde bei Bauarbeiten im Gewerbegebiet am südöstlichen Randbereich von Burglengenfeld eine Karsthöhle, der so genannte Zwicknagelschacht, entdeckt. Um herauszufinden, ob Wasser, das in den Karsthohlraum einsickert, mit dem Grundwasserstrom zu den Trinkwasserbrunnen im Raffa-Forst gelangt, (und wenn ja, wie schnell und in welcher Konzentration), wurde im Februar 2021 ein Markierungsversuch durchgeführt, der bis Sommer 2023 andauerte.

Die Ergebnisse liegen nun vor: Vom Zwicknagelschacht selbst kann kein Schadstoffeintrag ins Grundwasser erfolgen. Im weiteren Fokus der Betrachtungen standen zudem zwei naheliegende Sickerbecken aus den Gewerbegebieten am Naabtalcenter. Durch den Markierungsversuch konnten Fließverbindungen von den Sickerbecken und dem Zwicknagelschacht zu zwei Trinkwasserbrunnen nachgewiesen werden.

Der Markierungsversuch wurde durch das Sachverständigenbüro für Grundwasser „Anders & Raum“ unter der Federführung von Herrn Dr. Raum durchgeführt. Bei einem Markierungsversuch (Tracerversuch) wird gesundheitlich unbedenkliche Lebensmittelfarbe zusammen mit Wasser an bestimmten Stellen in den Untergrund versickert und untersucht, ob und wann die Farbe an den Brunnen ankommt. Die eingesetzten Stoffe können auch bei sehr starker Verdünnung noch nachgewiesen werden.

Für die untersuchten Einleitungsstellen wurden unterschiedliche Farben verwendet, um das Fließverhalten aus den unterschiedlichen Bereichen genau zuordnen zu können. In den untersuchten Sickerbecken wird das Niederschlagswasser aus den Gewerbegebieten am Naabtalcenter versickert. Seit Mitte Februar 2021 bis Sommer 2023 wurde in regelmäßigen Abständen das Grundwasser an den Brunnen und einigen Grundwassermessstellen in der Umgebung auf die eingegebenen Stoffe hin untersucht. Hier gewannen die SWB (Stadtwerke Burglengenfeld) wertvolle Erkenntnisse über das Fließverhalten von Grundwasserströmen in einem Karstgebiet.


Ein Ergebnis des Versuchs ist, dass die eingegebenen Farbstoffe innerhalb von mehreren Wochen bis Monaten mit dem Grundwasserstrom zu zwei der drei Brunnen transportiert werden. In den beiden nördlichen der drei Brunnen konnten geringe Mengen der Farbstoffe nachgewiesen werden, im südlicheren Brunnen kam kein Farbstoff an. Die höchsten Konzentrationen des einen Markierungsstoffs wurde Ende Juli 2021 in Brunnen III gemessen, die des anderen in der zweiten Augusthälfte 2022. Deutlich geringere Maximalkonzentrationen erreichte der in den Zwicknagelschacht eingespeiste Farbstoff. Die eingegebenen Stoffe waren in sehr geringen Konzentrationen noch im Sommer 2023 im Brunnenwasser vorhanden.

Vom Zwicknagelschacht selbst, kann auch langfristig kein Schadstoffeintrag erfolgen, da dort kein Wasser versickert. Der Schacht ist verplombt.  Das Niederschlagswasser, das in die beiden Sickerbecken eingeleitet wird, wird auf dem Weg durch das Gestein zum Grundwasser aufgrund der karsttypischen Gegebenheiten nicht gereinigt. Um langfristig eine potenzielle Anreicherung mit Schadstoffen aus dem Bereich der Gewerbegebiete über die Sickerbecken zu verhindern, haben die SWB schon in der Vergangenheit entsprechend der gesetzlichen Vorschriften für Karstgebiete stets auf eine Vorreinigung der Niederschlagswässer geachtet.  

Aufgrund der langen Fließzeit, welche nun durch den Markierungsversuch bestätigt wurde, würde überdies im Falle eines größeren Schadstoffeintrags, z. B. durch einen Unfall, ausreichend Reaktionszeit verbleiben, um Gegenmaßnahmen (z. B. Inbetriebnahme der Aktivkohlefilteranlage) zu ergreifen, was die bestehende Situation gut beherrschbar macht. Auch die Errichtung der Aktivkohlefilteranlage stellt sich vor diesem Hintergrund als richtige und vorausschauende Entscheidung dar. Diese versetzt die SWB als Trinkwasserversorger in die Lage eben nicht nur vorsorgend, sondern auch im Bedarfsfall mit geeigneten Schutzmaßnahmen reagieren zu können.

zurück